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Arbeitgeber-Interessen
Die Arbeitgeberseite engagiert sich im Berufsbildungssektor aus verschiedenen Gründen. Als
erstes ist selbstverständlich das grundlegende Erwerbsinteresse anzuführen. Auf dessen Grundlage sollen folgende Interessen konkretisiert werden:
* Das Interesse an der steten Innovation, daß heißt die Erarbeitung und Umsetzung von
Prozess-, Verfahrens-,Produkt- oder Organisationsneuerungen. (im Sinne von Verbesserung)
Um dieses Ziel zu erreichen, ist zum einen die Bereitstellung der erforderlichen Kompetenz oder
Qualifikation sicher zu stellen. Der zweite Punkt, welcher in diesem Kontext relevant ist, ist die
Loyalität der Beschäftigten in Hinblick auf die Akzeptanz von Änderungen. "So gelten Akzeptanz und Loyalität gegenüber Betriebsentscheidungen als Teil einer Bildungsstrategie, die ihren
instrumentellen Wert
in der Stabilisierung von Arbeitsmotivation, der Steuerung der innerbetrieblichen Personalplanung und der Objektivierung von Personalentscheidungen erhält."95
Das Qualifikationsmaßnahmen, neben der Vermittlung von
Know-How
und der Pflege der
Akzeptanz von personalpolitischen Entscheidungen, auch die Einstellung der Arbeitnehmer zu
ihrer Arbeit und ihrer Firma beeinflussen (sollen), soll das Beispiel VW zeigen. In der Begleitbroschüre zu einem 1989 bei VW in Wolfsburg durchgeführten CAT96-Programm wird formuliert:
"Wenn wir sagen: Qualität existiert durch das Zusammenwirken aller Mitarbeiter, dann müssen
auch alle wissen, wie wir Qualität definieren, beurteilen und weiter verbessern können. Dann
müssen alle wissen, wie die innerbetrieblichen Zusammenhänge sind." Erklärtes Ziel dieser
Bildungsmaßnahme, war die Beeinflussung des Verhaltens der Mitarbeiter in Richtung auf
kollegiale Verantwortung.
Wenn einer von uns einen Fehler macht fällt das auf alle zurück
,
sollte vermittelt werden, um so die mögliche Korrektur individueller Fehlleistungen im Team zu
erreichen.97
* Als weiteres, vor allem für größere Betriebe relevantes Interessenfeld, zeichnet sich das
Selbstverständnis und dessen Vermittlung, oder auch die Selbstdarstellung des Unternehmens ab.
"Im Zusammenhang mit beruflicher Weiterbildung spricht auch der DIHT von
Unternehmenskultur
. Ich bin sicher: Eine Unternehmenskultur, die sich auch durch Weiterbildungsaktivitäten
für die Mitarbeiter auszeichnet, wird sich unter den demographischen Zwängen, die gegeben
sind, demnächst noch stärker als heute herausbilden."98
Wesentlich für die Umorientierung auf kulturelle Aspekte ist, daß "sich besonders erfolgreiche
Unternehmungen von den weniger erfolgreichen weniger durch die Beherrschung der sog.
harten-S
- Strategy, Structure (Aufbauorganisation), Systems (Ablauforganisation) - als
vielmehr durch die Betonung der
weichen-S
- Staff (Personal), Skills (Fähigkeiten), Style
(Führungsstil), Superordinate goals (allseits akzeptierte übergeordnete Ziele)"99 unterscheiden.
Eine stärkere Orientierung auf die
weichen-S
hat zwei Zielrichtungen. Zum einen nach innen,
der Wert motivierter und qualifizierter Mitarbeiter braucht nicht weiter erläutert zu werden, zum
anderen nach außen. - Ein Unternehmen, welches sich als fortschrittlich, sozial verantwortlich
und zukunftsorientiert darstellen will, kommt nicht umhin, auch seine Bildungsaktivitäten heraus
zu stellen.
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Matthias Steppuhn
2003-07-05