Die Beschäftigung mit dem Thema, zeigte einen Trend der Verlagerung von Regelungsaufgaben
in die Betriebsebene. Oder besser formuliert, Tatbestände, welche nach rechtlicher Norm und
gelebter Gewohnheit in den Regelungskreis der Betriebsebene fallen (betriebliche Qualifizierungsmaßnahmen), gewinnen durch die derzeitige Entwicklung an Bedeutung für das System der
industriellen Beziehungen. Die zunehmende Individualisierung
der Arbeitsbedingungen und
Inhalte macht eine zunehmend dezentrale Regelung von Problemen erforderlich. Wie die
beispielhaft angeführten Betriebsvereinbarungen und Tarifabschlüsse zeigten, sind die Regelungsinhalte der Vertragswerke sehr unternehmensspezifisch. Ein Vergleich des (Haus-)Tarifvertrags der Shell mit der Betriebsvereinbarung der Phoenix zeigt, daß die geregelten Tatbestände sich weitgehend entsprechen. Der Vertrag der Shell firmiert lediglich aus dem Grund als
Tarifvertrag, weil das Unternehmen selbst Tarifpartner ist. Von seinem firmenspezifischem Inhalt
her, ist der Vertrag eher als Betriebsvereinbarung zu klassifizieren.
Die Zunahme der Bedeutung von Qualifizierungsregelungen, hat eine strukturelle Stärkung der
Position des Betriebsrats gegenüber den Gewerkschaften zur Folge. Im Gegenzug machen
jedoch die zunehmend komplexeren Regelungsgegenstände externen Sachverstand notwendig.
Über die Bereitstellung von Sachverstand gewinnen die Gewerkschaften wieder Einfluß (zurück)
Ob dies die Flexibilität der Betriebsräte einschränkt, läßt sich nicht notwendig belegen.
Ein einschneidender Punkt der meisten bisherigen Abhandlungen zur Qualifizierungsproblematik,
war ihr unmittelbarer Bezug zu Krisensituationen, Rezession, Arbeitslosigkeit und Rationalisierung(sentlassungen). Dementsprechend negativ fielen die Zukunftsprognosen aus. Diese Fortschrittskritischen Stimmen sind weitgehend verstummt. Derzeit dominiert eine hoffnungsvolle
Haltung in Bezug auf den sich vollziehenden Strukturwandel: "Eines ist sicher: Der Einsatz von
CIM wird zu veränderten Beschäftigungsinhalten und höheren Qualifikationsanforderungen
führen. Trotz Automatisierung und gerade wegen der mit CIM verbundenen Anforderungen
wird der Faktor Mensch für den Unternehmenserfolg künftig eine zusehends größere Rolle
spielen"178 Dies bedeutet jedoch nicht, daß jeder Mensch die gleiche Rolle spielen muß. Neben
der Zunahme der Qualifikationsanforderungen, dürfte für die nächsten Jahre mit einer weiteren
Ausdifferenzierung von Berufsbildungs-Inhalten zu rechnen sein.